Stadtteilentwicklungskonzept Green Moabit 2013

Im größten innerstädtischen Industrie- und Gewerbegebiet Berlins – Moabit West – verknüpft das Unternehmensnetzwerk Moabit die ansässigen Unternehmen, um den Standort zu stärken und zu sichern. Als ein erstes konkretes Projekt spielte das Thema „Energieeffizienz in Betrieben“ eine zentrale Rolle. Nun folgt die Fragestellung nach den notwendigen Anpassungen an die Auswirkungen des Klimawandels (Starkregen, Anstieg der Hitzetage, Verschlechterung der Stadtklimas etc.). Dazu wird 2012/13 in dem überwiegend von gewerblicher und industrieller Nutzung geprägten Quartieren das Stadtteilentwicklungskonzept „Green Moabit“ erarbeitet, welches Klimaschutz- und Anpassungspotentiale sowie Umsetzungsmöglichkeiten für konkrete Handlungsfelder aufzeigt.

 

 

Markierte Fläche des Gebiets "Moabit West" (links)  |  Werkstattgespräch im November 2012

(Bildmaterial: Sustainum)

 

Mit der Ausarbeitung beauftragt wurde im Dezember 2011 SUSTAINUM Institut für zukunftsfähiges Wirtschaften mit seinen Partnern, Ingenieurbüros aus den unterschiedlichen Fachdisziplinen (www.sustainum.de).

 

Nachdem wir in der ersten Projektphase 2012 vorwiegend analytisch tätig waren und sowohl die Lokalität als auch die vor Ort agierenden großen Stakeholder erfasst und in das Vorhaben im Rahmen von zwei Werkstattgesprächen sowie einer internationalen studentischen Sommerakademie in die Auswertung einbezogen haben, werden wir nun in der zweiten Projektphase 2013 modellhaft Maßnahmen entwickeln.

 

Zusammenfassung Ergebnisse Analysephase

 

Für das Handlungsfeld Abfall / Stromstoffmanagement wurde eine Bestandsaufnahme inklusive Vor-Ort-Untersuchung der interessierten Unternehmen hinsichtlich der Optimierungsmöglichkeiten zur innerbetrieblichen Abfallvermeidung (betriebliches Stoffstrommanagement) angeboten. Darauf erfolgte allerdings nur eine verhaltene Resonanz, die damit begründet wurde, daß gerade gewerbliche Unternehmen durch die Gesetzgebung der vergangenen Jahre sehr stark reglementiert und hinsichtlich der Abfallstoffe organisiert sind.

 

Für das Handlungsfeld Wasser wurde die Bilanzierung der Wasserströme von einzelnen Liegenschaften ermittelt. Es folgten Auswertung mit den Berliner Wasserbetrieben, wobei deutlich wurde, daß hauptsächlich Starkregen in unterschiedlichen Liegenschaften ein zentrales Problemfeld darstellen. Daneben wurde die Möglichkeit der Wärmeentnahme aus Abwasserdruckrohren zur Einspeisung in die Gebäudeheizung der Anlieger Thema.

 

Für das Handlungsfeld Mobilität wurde die Analyse der Verkehrsnetze durchgeführt, eine Modal-split-Untersuchung, sowie die Erfassung der Parkplatzsituation, Arbeitsplatzzahlen, Einwohner und eine Grobanalyse zum Güterverkehr folgten. Zentrales Ergebnis war die schlechte Busanbindung in den Randzeiten (vor Schichtbeginn) sowie der hohe Anteil des Individualverkehrs zur Erreichung des Arbeitsplatzes bei ca. 10.000 Einpendlern täglich.

 

Für das Handlungsfeld Stadtraum wurde eine Auswertung des StEP Klima Berlin vorgenommen, die Rahmenplanungen und Blockkonzepte wurden aufbereitet. Wesentliches Ergebnis hinsichtlich der stadträumlichen Potentiale waren die Begrünung (Dächer, Fassaden) bei gleichzeitiger Nutzung der Starkregenressourcen (Zisternenbau). Es erfolgte eine grobe Erhebung von Flächen mit Entsiegelungs-, Retentions- und Begrünungspotenzial. Die  Luftbildauswertung und Vor-Ort-Begehung ergaben potenziell geeigneter Flächen (u.a. Dachflächen), insbesondere nach Süden exponierter Gebäudewände, Brandwände und Wandflächen von Hallen, versiegelter Flächen im öffentlichen Raum. Erhebung von Flächen mit Umstrukturierungs-/ Neubaupotenzial für eine klimatisch optimierte Stadtplanung (vgl. Berücksichtigung von Verschattungen oder Energiegewinnungspotenzialen durch eine optimierte Gebäudeausrichtung) sowie Flächen zur Erhöhung der Albedo, also des Reflektionsvermögens beispielsweise von Dachflächen aber auch zur Installation von Photovoltaikanlagen erfolgten in Abstimmung mit dem Handlungsfeld Energie.

 

Das Handlungsfeld Umweltmanagement und Bildung wurde als Querschnittsthema verstanden, das die Ergebnisse der anderen Handlungsfelder aufgreift, um deren Verankerung in den Unternehmen zu unterstützen und die erforderlichen Kompetenzen zu ermitteln.

 

Modellhaftigkeit & Pilotcharakter

 

Moabit West als großes innerstädtisches Industriegebiet hat in den letzten Jahrzehnten eine starke Veränderung hinsichtlich der ortsansässigen Unternehmen erfahren. In dieser Zeit hat ein großer Wandel vom Industriegebiet mit produzierenden Betrieben hin zum Gewerbegebiet mit Handel und Dienstleistungen stattgefunden. Ehemals ansässige große Unternehmen wie die Firma Herlitz haben den Standort verlassen. Die Betriebsstätte der Siemens Powerenergie AG zur Produktion von Gasturbinen ist heute der größte Produktionsbetrieb im Industriegebiet mit einem zukunftsweisenden Umweltmanagement.

 

Der Standort soll sowohl unter städteplanerischen Vorgaben seitens der Verwaltung und Politik als auch aus Interesse der dort ansässigen Gewerbe- und Industrieunternehmen als größter innerstädtischer Industriestandort erhalten bleiben. Dies im Sinne der Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu erreichen und in zwischenbetrieblichen und liegenschaftsübergreifenden Maßnahmen umzusetzen, macht die Modellhaftigkeit aus, die es in der zweiten Projektphase durch konkrete Vorhaben zu untersetzen gilt. Der Pilotcharakter wird von uns besonders in der späteren Realisierung zwischen- und überbetrieblichen bzw. liegenschaftsübergreifenden Maßnahmen gesehen.

 

Konkretisierung und Maßnahmenplanung 2013

 

Unser Ziel ist es daher in der zweiten Projektphase, ein Konzept mit exemplarischem Maßnahmen- und Aktionsplan zum klimagerechten Umbau des innerstädtischen Quartiers zu entwickeln, das sowohl der öffentlichen Hand als auch den privaten Eigentümern Lösungsmöglichkeiten aufzeigt, die diese in den kommenden Jahren eigenständig bzw. in Kooperation mit anderen, ggf. mit Hilfe von Fördermitteln / Krediten, umsetzen können. Moabit West soll damit zum Modellgebiet eines innovativen, zukunftsfähigen, städtischen Industrie- und Gewerbegebietes im Zentrum Berlins werden, welches sich auf die abzusehenden Auswirkungen des Klimawandels vorbereitet hat.

 

Erste Projektansätze

 

  • Liegenschaften übergreifendes gemeinsam betriebenes Solarkraftwerk
  • Energieeffizienzmaßnahmen in Betrieben und für ganze Liegenschaften
  • Greencard Moabit + Buslinien (Modal Split)
  • Abwasser als Energieressource nutzen (Wärmetauscher)
  • Starkregenwasser im Quartier halten (Zisternen)
  • bewässerte Fassadenbegrünung (Stadtklima)
  • Freiräume mit Aufenthaltsqualität herstellen / Doppelnutzung von Flächen organisieren

 

Es ist vorgesehen, im Laufe der kommenden Monate die konkreten Projekte in themenbezogenen Werkstätten mit den interessierten Unternehmen bis zur Umsetzungsreife zu bearbeiten; eine Einfürhung dazu geben wir am 28. Februar im Rahmen des Treffens der AG Nutzen, die jeweiligen Auftaktveranstaltungen sollen in Kooperation mit der AG Nutzen dann ab März 2013 stattfinden. Einige Themen werden wir auch in Zusammenarbeit mit den Hochschulen (TU, Beuth-Hochschule) weiter palnen und zur Umsetzungsreife bringen. Geprüft wird u.a., wie mit dem digitalen Projektatlas der TU im Internet Stand, Beteiligung und Verortung der Projekte dargestellt werden können.

 

 

Ansprechpartner StEK Green Moabit:

 

Projektmanagement

Auftragnehmer SUSTAINUM

Frieder Rock

Tel.: 0177 / 415 34 79

 

Auftraggeber Bezirksamt

Hartmut Schönknecht

Tel.: 030 / 901 845 826

 

Auftraggeber SenStadtUm

Brigitte Schammer / Dirk Böttcher

Tel.: 030 / 901 394 864

 

Unternehmensnetzwerk Moabit e.V.

AG Nutzen für Mitglieder / Green Moabit

Olaf Moll (Spedition Albert Craiss)

Tel.: 030 / 364 789 17

 

Unternehmen mit Vorreiterfunktion

CRAISS und SIEMENS

Robert Rosenfeld

Tel.: 030 / 346 119 13